Nachruf auf Prof. Dr. Kurt Weber (Berlin)

Autor: Susanne Herting-Agthe - Datum: 1 October, 2008

Herr Prof. Dr. Kurt Weber verstarb am 23.12.2007 nach langer, geduldig ertragener Krankheit. Als langjähriges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kristallographie der DMG, DPG und GDCh sowie weiterer Fachgesellschaften in Frankreich und Deutschland wird er vielen Kristallographen und Physikern noch gut in Erinnerung sein.

Herr Weber wurde am 9.5.1926 in Ludwigshafen geboren. Dort besuchte er auch die Grundschule und das Staatliche Humanistische Gymnasium, wo er allerdings erst im April 1946 Abitur machen konnte, nach kriegsbedingter fast dreijähriger Unterbrechung.

Von 1946 bis 1952 studierte er Physik bei den Nobelpreisträgern Prof. W. Bothe und Prof. H. J. D. Jensen mit den Nebenfächern Mathematik und Chemie an der Universität Heidelberg, wo er bei Prof. W. Bothe seine Diplomarbeit über den Bau einer Ionenquelle für den Heidelberger Bandgenerator abschloss. Anschließend arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft und Wissenschaftlicher Assistent am Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg bei Pof. P. Ramdohr an kristallographischen Problemen der Mineralogie, erwarb seine Kenntnisse in spezieller Mineralogie und konstruierte einen Analogrechner für die Fouriertransformation. 1960 promovierte er mit „magna cum laude“ bei Prof. H. Maier-Leibnitz und Prof. M. Schön an der TH München mit einer Dissertation über röntgenographische Untersuchungen an alpha-CdS. Kurz darauf heiratete er Frau Dr. rer. nat. Margret Schmitt und wurde bis Ende 1963 Vater zweier Töchter.

Als Leiter der Gruppe Radiokristallographie der Sektion Mineralogie ging er vom 1.3.1961 bis Ende 1963 an das Forschungszentrum CCR (EURATOM) nach Ispra, Italien. 1965 wurde er vom Erziehungs-Ministerium Frankreichs zum „professeur associé“ ernannt und arbeitete bis Ende 1966 an den Universitäten Nancy und Marseille als Leiter der Arbeitsgruppe Röntgenbeugung und Elektronenmikroskopie am Laboratorium für Kristallographie und Kristallwachstum.

1967 wurde ihm die venia legendi für Kristallographie für die Habilitationsschrift über die Kristallstruktur des Reinerits Zn3[AsO3]2 verliehen und er arbeitete als Privatdozent und als Wissenschaftlicher Rat am Institut für Mineralogie und Kristallographie der TU Berlin. Nach einer Anfrage der Universität Lausanne auf eine Kristallographie-Professor konnte er für die TU Berlin gewonnen werden, wo er 1969 zum „Wissenschaftlichen Rat und Professor“ ernannt wurde. Er war lange Jahre bis zu seiner Pensionierung 1991 Inhaber des Lehrstuhls für Kristallographie, zeitweilig Geschäftsführender Direktor des Instituts und im Fachbereich Bergbau und Geowissenschaften federführend für die Habilitationsordnung.

Seine Forschungsgebiete waren vor allem der Zusammenhang zwischen Kristallstruktur und physikalischen Eigenschaften, besonders der Morphologie und optischer Eigenschaften, IR-Spektroskopie, Pulverdiffraktometrie, Kristallstrukturbestimmung und Probleme der quantitativen Röntgenfluoreszenzanalyse. Die Ergebnisse dieser Arbeiten, zum Teil vertieft in Auslandsaufenthalten in Frankreich, Italien und der Türkei, schlugen sich in Publikationen und Patenten nieder. Außerdem arbeitete er als Referent der „Physikalischen Berichte“, übersetzte kongenial die „X-Ray Crystallography“ von Buerger und verfasste das Kapitel Kristalloptik für mehrere Ausgaben des Standardwerks „Lehrbuch der Experimentalphysik“ von Bergmann/ Schäfer, dessen englische Ausgabe 1996 erschien. Seine Publikationen auf höchstem Niveau waren stets äußerst gewissenhaft vorbereitet. Es ist der Fall einer Strukturbestimmung bekannt, deren Ergebnisse ihm für eine Publikation nicht präzise genug waren – ein Jahr später wurden sie anderweitig mit erheblich ungenaueren Daten publiziert. Das Institut profitiert noch heute von seinen ausgefeilten Rechenprogrammen.

Gastdozenturen führten Herrn Weber nach Nancy, Marseille, Nizza, Istanbul und Sofia mit Kursen über kristallographische Themen, Röntgenspektralanalyse, Betreuung von Diplom- und Doktorarbeiten und Beratung rohstoffverarbeitender Betriebe.

Herr Weber war nicht nur „ein Wissenschaftler von großem Format“ (RAMDOHR 1969), sondern auch ein engagierter Hochschullehrer in des Wortes eigener Bedeutung. Er hat nie eine Vorlesung in gleicher Weise zweimal gehalten, sondern sein Konzept stets unermüdlich überarbeitet und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht. Fragen von Studenten wurden mit größter Genauigkeit beantwortet und nicht selten daraufhin eine Lehrveranstaltung entsprechend geändert.

Wann immer ein Student oder Kollege zu ihm kam, um ihn um Hilfe bei einem Fachproblem zu bitten, ließ er stets alles stehen und liegen, um zu helfen, notfalls stundenlang. Entsprechend intensiv betreute er zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten, z. T. im Rahmen etlicher Programme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über Strukturuntersuchungen an Ni- und Co-Sulfiden, basischen Cu-Sulfaten, Smektischen und Blauen Phasen, nicht nur im eigenen Institut, sondern auch in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn, dem Sonderforschungs-bereich 325 „Anisotrope Fluide“ der TU Berlin und anderen Berliner Hochschulinstitutionen.

Nach dem tragischen Tod seiner ersten Frau 1987 heiratete Herr Weber 1993 Frau Dr. Marianne Elm-Weber, geb. Kappus, und konnte noch einige sehr glückliche und erfüllte Jahre mit ihr verbringen. Das Institut für Mineralogie und Kristallographie der TU Berlin, heute Institut für Angewandte Geowissenschaften, wird ihm ein ehrendes und bewunderndes Andenken bewahren.

Schriftenverzeichnis Prof. Dr. Kurt Weber

Text: Susanne Herting-Agthe, Fotografie: Monika Günther