3. LabMeeting der Jungen Kristallographen @ STOE

Geschrieben von Jakob Möbs, Doktorand des Fachbereichs Chemie der Philipps-Universität Marburg.
Gruppenbild aller Teilnehmer.

Gruppenbild aller Teilnehmer. Foto von Jan Philipp Wöhrle.

Eine der ersten Live-Veranstaltungen nach den zwei, wegen der Corona-Pandemie ausgefallen Konferenzsaisons war das Treffen der Jungen Kristallographen der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie Ende September 2021. Mit nur sehr kurzer Vorlaufzeit hatte das Orga-Team es geschafft, die STOE & Cie GmbH als Sponsor zu gewinnen, eine Reihe von Rednern aus Industrie und Akademia einzuladen und die Veranstaltung bei allen potentiellen Teilnehmenden bekannt zu machen.

So trafen sich an einem schönen sonnigen Abend im späten September junge Forschende aus ganz Deutschland und Polen und auch bereits einige der Redner in einem Darmstädter Hotel direkt neben dem STOE-Gelände. An diesem Abend stand nichts weiter auf dem Programm, als sich beim Abendessen in einer heimischen Brauerei kennenzulernen. Ich war sehr überrascht, welch große Bandbreite verschiedener Forschungsgebiete vertreten war. Für mich als synthetisch arbeitenden anorganischen Chemiker ist die Röntgenbeugung an Einkristallen und Pulvern die wichtigste Methode um neue Materialien zu identifizieren und zu charakterisieren. Allerdings war ich zuvor noch nie in Kontakt mit Kristallographie außerhalb dieses chemischen Anwendungsbereiches gekommen und fand mich nun in einer kleinen Gruppe von zwölf Teilnehmende und vier Organisator:innen wieder, die alle in irgendeiner Art und Weise Röntgenbeugung, -streuung oder -spektroskopie für ihrer Arbeit nutzten. Schon in dieser überschaubaren Runde waren die Gebiete der experimentellen und theoretischen Physik, Mineralogie, Materialwissenschaften und sogar Mathematik vertreten. Entsprechend gespannt war ich am Ende des Abends auf die nächsten eineinhalb Tage voller Präsentationen und Diskussionen über alle möglichen Felder der Kristallographie.

Der zweite Tag begann mit der offiziellen Begrüßung durch Tina und Constantin, den Vorsitzenden der Jungen Kristallographen, und Martin Fark, dem CEO von STOE. Anschließend wurde es Zeit für den ersten akademischen Vortrag, in dem Manfred Weiss, ein Proteinkristallograph vom BESSY in Berlin, die Frage stellte: „Ist die Kristallstrukturanalyse eine brauchbare Screening-Methode?“ Für mich als chemischen Kristallographen ist die Antwort hierauf ein klares „Nein!“, denn die Messungen auf unseren Labordiffraktometern dauern in der Regel zwei bis vierundzwanzig Stunden und Messzeit ist immer rar. Wie ich nun erfahren habe ist das allerdings überhaupt Problem, wenn man dank der Kraft eines Synchrotrons und einer Menge komplizierter Automation bei der Datenauswertung rund zweihundert Kristalle am Tag messen kann.

Collage der universitären und industriellen Vortragenden.

Collage der universitären (unten) und industriellen (oben) Vortragenden. Oben: Tom Faske (STOE), Michael Teck (STOE), Marius Kremer (Anton Paar), Martin Fark (STOE). Unten: Thomas Schleid, Manfred Weiss, Matthias Zschornak. Fotos von Jan Philipp Wöhrle und Constantin Buyer.

Im folgenden ersten Vortrag aus der Industrie, gab uns Michael Teck, Spezialist für Pulverdiffraktometrie bei STOE, einen Überblick über alle Geräte und Lösungen, die die Firma auf diesem Gebiet anzubieten hat. Direkt im Anschluss wurde es Zeit für das erste Highlight der Konferenz: Die erste Session der Lightning Talks stand an, bei denen sechs der Teilnehmenden den anderen in fünfminütigen Präsentationen Lust auf ihre Poster machen konnten, die am Nachmittag ausgestellt werden sollten.

Die Teilnehmer während ihrer Lightning Talks.

Die Teilnehmer während ihrer Lightning Talks. Oben: Mohammad Rezaei, Christian Rhode, Katrin Beuthert, Aleksander Albrecht. Mitte: Pawel Adamski, Muthu Vallinayagam, Ziheng Wang, Shuvrodev Biswas. Unten: Jakob Möbs, Artur Jurkowski, Jean-Louis Hoslauer, Henrik Schilling. Fotos von Constantin Buyer.

Nach der Mittagspause präsentierte uns Thomas Schleid, Professor für Anorganische Chemie in Stuttgart und Vorsitzender der DGK, seine Forschung auf dem Gebiet von lumineszierenden Lanthanoid(III)-oxoantimonat(III)halogeniden und deren interessanten strukturellen Eigenschaften, bevor Tom Faske von STOE uns die neusten Errungenschaften der Firma auf dem Gebiet der Einkristalldiffraktometer vorstellte. Nach einer Kaffeepause ging es nun zur ersten und sehr lebhaften Poster Session, nach der Martin Fark die gesamte Truppe zum Firmensitz von STOE führte, wo die Firma all ihre Diffraktometer baut und testet. Während wir eine ausführliche Tour der gesamten Anlage bekamen und die Geräte aus den Vorträgen sowohl in Aktion als auch in verschiedenen Stadien des Zusammenbaus begutachten konnten, wurde vom Rest der Belegschaft bereits der Grill angefeuert und ein Fass Bier für das bis spät in die Nacht dauernde Abendessen auf dem STOE-Gelände angestochen.

Eindrücke von der LabTour.

Eindrücke von der LabTour. Fotos von Jan Philip Wöhrle.

Der letzte Tag startete mit dem letzten Industrie-Vortrag, dieses Mal nicht von STOE, sondern von Anton Paar, von dem STOE Komponenten zukauft. Marius Kremer, der dort Anwendungsspezialist und ehemaliges Mitglied der Jungen Kristallographen ist, sprach jedoch nicht über die Produkte seiner Firma, sondern über seinen eigenen Weg von der Universität in die Industrie und die Schwierigkeiten, mit denen er im Bewerbungsverfahren und beim Umzug von Deutschland nach Österreich während der Pandemie konfrontiert wurde.

Danach ging es endlich zur zweiten Runde der Lightning Talks, gefolgt von der zweiten Poster Session. Diese war (ebenso wie die erste) in meinen Augen ein voller Erfolg. Auf keiner anderen Konferenz zuvor habe ich so viel Aufmerksamkeit an meinem Poster bekommen oder konnte anderen Postern so viel Aufmerksamkeit schenken wie hier. Dies lag einerseits daran, dass wir durch die Lightning Talks alle schon etwas auf die Poster vorbereitet waren, aber andererseits auch schlicht an der kleinen Zahl von Teilnehmenden. Dies gab mir die Möglichkeit, mir jedes einzelne Poster anzuschauen und mit allen Präsentierenden zu reden (zumindest mit denen, die nicht in meiner Session waren).

Eindrücke von den Poster-Sessions.

Eindrücke von den Poster-Sessions. Fotos von Constantin Buyer und Jan Philipp Wöhrle.

Nach der Mittagspause ging es nun mit dem letzten Vortrag auf das Ende der Veranstaltung zu. Matthias Zschornak, ein Physiker der Universität Freiberg, berichtete uns von der Funktionalisierung von Perowskiten durch die selektive Einführung von Defekten in das Kristallgitter und wie diese Defekte mit einer Kombination aus theoretischen Rechnungen und röntgenographischen Methoden analysiert werden können.

Schließlich endete das dritte Treffen der Jungen Kristallographen bei STOE mit der Verleihung von drei Posterpreisen, die Katrin Beuthert, Aleksander Albrecht und ich selbst ergattern konnten.

Die Gewinner der Posterpreise.

Die Verleihung der Posterpreise durch Tina Weigel und Martin Fark an Aleksander Albrecht, Katrin Beuthert und Jakob Möbs (von rechts nach links). Foto von Constantin Buyer.

Nun bleibt nur noch, sich auf die nächste DGK-Tagung in München zu freuen, auf der wir uns hoffentlich alle wiedersehen!

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