In memoriam Karl Fischer (1925-2022)


Die Deutsche Gesellschaft für Kristallographie trauert um ihr Ehrenmitglied, den Kristallographen Karl F. Fischer, der am 29.Oktober im Alter von 97 Jahren verstorben ist. Sein selbstloser und engagierter Einsatz für das Wissenschaftsgebiet als Ganzes und seine Pionierarbeiten auf dem Gebiet der Strukturforschung sind einem breiten Kreis von Naturwissenschaftlern zugutegekommen.

Durch sachkundige und integre Behandlung von Anträgen im Rahmen der Forschungsförderung für die DFG, das BMBF und das ILL hat er zahlreichen Fachkollegen zu wirksamer Unterstützung ab 1980 verholfen und sich u.a. als Fürsprecher der ‚Kleinen Fächer‘ profiliert, ohne seine Person in den Mittelpunkt zu stellen.
Als Zeichen des Vertrauens der deutschen Kristallographen wurde er 1977 zum Mitglied bzw. Sprecher des Nationalkomitees für Kristallographie in der IUCr gewählt. Auf dieser Ebene hat er sich aktiv in den Prozess der Vereinigung der bis 1991 getrennten kristallographischen Gesellschaften in der BRD und der DDR eingebracht, der schließlich mit der Gründung der DGK am 12.03.1991 und einem gemeinsamen Nationalkomitee (dem auch er angehörte) eine historische Erfüllung fand. Karl Fischers Vita und wissenschaftliche Arbeiten finden sich ausführlich in den Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie 51 (2021) 63-74.

Bis ins Alter von 97 Jahren verfolgte er aktiv in wöchentlichen Online-Diskussionsrunden sein ‚wissenschaftliches Herzensprojekt‘, die alternative Strukturlösungsmethode des Parameter Space Concepts. So wird auch sein diesbezügliches Werk in einem aktuellen DFG-Projekt an der TU Bergakademie Freiberg unter seiner direkten Einflussnahme von der ‚Enkelgeneration‘ fortgeführt. In die Trauer um den Verlust mischt sich gleichzeitig die Dankbarkeit über die fortgesetzte Anregung zur Arbeit an neuen Ideen.

Wir verlieren mit Karl Fischer einen inspirierenden Forscherkollegen, hoch-geschätzten engagierten Vertreter der Fachdisziplin und liebenswerten Menschen. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Peter Paufler, Dresden und Thomas Schleid, Stuttgart

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