2nd Joint Meeting of the “Young Crystallographers” and “Young Crystal Growers”

von Florian Meurer (Universität Regensburg)

Den Auftakt zum zweiten gemeinsamen Treffen der Jungen Kristallographen und Jungen Kristallzüchter gab es am Abend des dritten Oktobers. Alle Teilnehmenden waren zum Grillabend auf das Areal vor der Mensa der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF) eingeladen geworden. Dieses Angebot stieß auf große Resonanz und so wurde sich gemeinsam bei Bratwurst, Grillkäse und lokaler Getränkevielfalt auf die kommenden Tage eingestimmt.

Gruppenfoto im wunderschönen Amethystfarbenen Innenhof des ZeHS (Foto: Constantin Buyer). Die Außenwände sind mit lilafarbenen Panelen in verschiedenen Farbabstufungne verkleidet. Die knapp 40 Teilnehmenden und Vortragenden stehen auf einem Schotterboden mit insehaftem Grasbewuchs.

Gruppenfoto im wunderschönen Amethystfarbenen Innenhof des ZeHS (Foto: Constantin Buyer)

Am frühen Morgen des vierten Oktober ging’s dann los mit dem wissenschaftlichen Programm im brandneuen Gebäude des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-Stoffumwandlung (ZeHS): Pünktlich um 8.00 Uhr begrüßten uns nacheinander der wissenschaftliche Sprecher des ZeHS Prof. Dirk Meyer, Constantin Buyer (DGK YC) und anschließend Sebastian Gruner (jDGKK).

Es folgte ein abwechselungsreiches und spannendes Programm, welches die Vielfalt der Kristallographie deutlich machte. Professor Leonid Dubrovinsky (Universität Bayreuth) begann die Vortragsreihe mit einer faszinierenden Übersicht der Hochdruckkristallographie, gefolgt von einem industriellen Vortrag von Dr. Kay Dornich, welcher die Flexibilität der Röntgengeräte von Freiberg Instruments anhand von der Optimierung von Routineuntersuchungen zeigte. Nach einer kurzen Kaffeepause begannen die „Lightning Talks“ – eine Möglichkeit für alle Teilnehmer:innen mit Posterbeiträgen, dem Publikum einen Vorgeschmack und kurzen Einblick in die eigene Forschung zu geben. Grade ohne den Druck vor Duzenden „Alteingesessenen“ vortragen zu müssen, war dies eine willkommene Gelegenheit, wissenschaftliches Vortragen zu üben. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen, denn insgesamt wurden 18 Poster, bzw. Lightning Talks präsentiert!

Impressionen der Poster Session und der Lightning Talks (Fotos: Constantin Buyer). Links: Etwa 30 Personen diskutieren vor den Postern bei Snacks und Kaffee. Rechts: Die Teilnehmenden verfolgen einen Vortrag.

Impressionen der Poster Session und der Lightning Talks (Fotos: Constantin Buyer).

Nach einer Mittagspause, in der alle Teilnehmende mit wahnsinnig leckeren, selbstgemachten Aufstrichen und Brot versorgt wurden, ging es weiter mit einem hochspannenden Vortrag von Dr. Carsten Richter (IKZ) über die Verfolgung von Defekt / Dislokationsbildung in Einkristallen, gefolgt von Dr. Manfred Jurisch, der über seine Herausforderungen und Erfolge in seinem Leben als Kristallzüchter berichtete.

Direkt im Anschluss startete die erste Postersession, in der die ersten neun Beiträge präsentiert und besprochen wurden. Bei Kaffee und kleinen Snacks wurde mit Eifer vor den Postern diskutiert und sich fachlich ausgetauscht. Daraufhin folgte ein Beitrag von Dr. Laura Folkers, welche an ihrem Beispiel bei STOE die Alternativen zu einem akademischen Werdegang erläuterte und zeigte, dass man sich außerhalb der Universitäten keinesfalls von der Wissenschaft trennen muss.

Die anschließende Tour durch das neue ZeHS war ein absolutes Highlight der Konferenz: Unter der Führung von Dr. Barbara Abendroth und Dr. Matthias Zschornak (beide vom Institut für Experimentell Physik, TUBAF) bekamen die Teilnehmenden einen tiefen Einblick hinter die Kulissen des brandneuen Forschungsbaus. Der Konferenztag wurde nach der etwa einstündigen Führung durch einen Vortrag von Dr. Sebastian Bette (MPI Solid State Research) über die Verknüpfung von Kristallographie und Kunst und Kultur angemessen abgeschlossen.

Verschiedene Labore am ZeHS (Fotos: Constantin Buyer). Links: Eine Rolle-zu-Rolle-Anlage zur Herstellung von Batterien durch Abrollen des Ausgangsmaterials, Bearbeitung (z. B. durch Flash Lamp Annealing) und anschliessendem Aufrollen zur weiteren Verarbeitung. Rechts: Die Röntgenkleinwinkelstreuanlage "SAXsONIA" mit Röntgenweitwinkelstreuoption zur strukturellen Charakterisierung von Nanopartikeln in Dispersion oder an Grenzflächen (SAXSpoint 5.0 von Anton Paar).

Verschiedene Labore am ZeHS (Fotos: Constantin Buyer). Links: Eine Rolle-zu-Rolle-Anlage zur Herstellung von Batterien durch Abrollen des Ausgangsmaterials, Bearbeitung (z. B. durch Flash Lamp Annealing) und anschliessendem Aufrollen zur weiteren Verarbeitung. Rechts: Die Röntgenkleinwinkelstreuanlage „SAXsONIA“ mit Röntgenweitwinkelstreuoption zur strukturellen Charakterisierung von Nanopartikeln in Dispersion oder an Grenzflächen (SAXSpoint 5.0 von Anton Paar).

Das anschließende Abendprogramm des ersten Abends war wohl das größte Highlight der Konferenz: Eine Führung in der Terra Mineralia mit anschließendem Dinner in den Ausstellungsräumen des Museums. Wieder in zwei Gruppen – eine englisch- und eine deutschsprachige – wurden die Teilnehmenden durch die Themensäle „Europa“ und „Africa“ geleitet und konnten dabei den massiven Fundus an Kristallen aus der Sammlung der Kristallsammlerin Erika Pohl-Ströher bewundern. Einige Eindrücke sind in Abbildung 2 gezeigt. Das anschließende Dinner im Museum war ebenso lecker wie atemberaubend: Es gab ein reichliches Buffet inmitten der gewaltigen Ausstellung an Exponaten in verschiedensten Farben.

Das Museumsgebaeude der Terra Mineralia sowie verschiedene Exponate als Inlay (Fotos: Constantin Buyer). Ein oranger Olmiit aus Südafrika mit fast kugeliger Form und schwammartiger Oberfläche. Daneben ein weinroter Rhodochrosit, ebenfalls aus Südafrika mit starker Verzwillingung. In der Mitte ein Baryt mit Realgar-Einschlüssen aus Rumänien, dieser Kristall ist orange-braun und besteht aus vielen groben Plättchen, die in verschiedensten Winkeln zueinander wachsen. Daneben ein dunkelblauer, fast schwarzer Azurit aus Namibia mit recht grober Struktur. Weiterhin ein kleiner Mimetesit aus Namibia in strahlendem Gelb mit einem dominanten Kristall, der sich von der Basis erhebt. Als letztes eine farbenfrohe Sammlung fluoreszierender Minerale in pink, grün, gelb, blau und rot.

Das Museumsgebaeude der Terra Mineralia sowie verschiedene Exponate als Inlay (Fotos: Constantin Buyer, Jan Philipp Wöhrle).

Der letzte Tag der Konferenz begann wieder mit zahlreichen Beiträgen der jungen Kristallographen und Kristallzüchter. Auf die verbliebenen neun Lightning Talks folgte auch prompt die zweite Postersession mit reichlich Kaffee, Snacks und Diskussionsbereitschaft.

Gegen 10.30 Uhr wurden alle Teilnehmenden zur Freiberger Compound Materials (FCM) transferiert, wo der Rest der Tagung stattfand. Dort wurde von Dr. Michael Rosch ein spannender Vortrag über die Herausforderungen und Lösungen der FCM zur Einkristallsynthese von Germaniumarsenid und Silizium zur Verwendung in der Halbleitertechnik vorgetragen. Es folgte ein tiefer Einblick in den Fertigungsprozess und die Anlagen der FCM in Form einer Führung durch den Betrieb.

In einem Serminarraum des modernen Gebäudes der FCM wurde die Tagung anschließend auch schon wieder beendet. Vorher wurden jedoch noch drei Teilnehmer für ihre Posterbeiträge mit dem STOE Posterpreis geehrt: Maik Förste, Florian Meurer und Max Stöber. Stellvertretend für alle Veranstalter:innen und Mithelfer:innen bedankte sich Jakob Möbs für die zahlreiche und aktive Teilnahme aller Anwesenden, wünschte allen eine gute Heimreise und beendete damit die drei Tage voller neuer Erfahrungen, Einblicke und Austausch des zweiten gemeinsamen Trefffens der jungen Kristallographen und Kristallzüchter.

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